Damit backen Hexen: Das Mädesüß (Filipendula ulmaria)

 © Barbara Pfeifer 2017

Volkstümliche Bezeichnungen Bachholde, Falscher Holler, Geißbart, Hexenmehl, Johanniswedel, Ulmenspiere, Waldbart, Wiesenkönigin, Wiesenschabe, Wilder Hirsch, engl. Meadowsweet
Blütezeit 6-8
Blütenfarbe Weiß bis cremefarben
Inhaltsstoffe Salicylate, Flavonoide, ätherisches Öl, Gerbstoffe, Zitronensäure
Heilwirkung, wissenschaftlich nachgewiesen Ja, Blüten und Kraut zur unterstützenden Behandlung von Erkältungskrankheiten. Volksmedizinisch außerdem gegen Kopf- und Rheumaschmerzen. Die Droge wirkt fiebersendend, entzündungshemmend, schmerzstillend und harntreibend (letzteres ist wissenschaftlich noch nicht zweifelsfrei nachgewiesen).
Zauberpflanzenkategorie (i), 2-5
Essbar? Ja. Blätter 3-5, Blüten 6-8 (schmecken und riechen nach Mandel plus Vanille!), Wurzel im Frühjahr und Herbst. Wegen der Salicylsäure (Aspirin ist Acetyl-Salicylsäure!) nur in kleinen Mengen genießen

 

Der Handelsname des Schmerzmittels Aspirin leitet sich vom alten lateinischen Namen des Mädesüßes ab, Spiraea ulmaria. Kennengelernt habe ich das Rosengewächs in Südnorwegen am Rande eines Sees. Die Blüten sahen zart und elfenhaft aus und dufteten so betörend, dass ich eine Rispe pflücken musste und tagelang daran gerochen habe. Seitdem gehört das Mädesüß zu meinen Lieblingskräutern. Eine Leidenschaft, die ich übrigens mit der englischen Königin Elisabeth I. teile.

Laut Angaben der Römer soll es zusammen mit Eisenkraut und Wasserminze zu den drei heiligsten Pflanzen der Kelten gehört haben – von der Mistel einmal abgesehen. Die Kelten nutzten es aber auch ganz profan als Färbemittel für Stoffe und bei Bissverletzungen durch tollwütige Tiere.

Träger und Vermittler der Naturweisheiten war bei den Kelten der Zaubergott Cernunnos. Er trug ein Hirschgeweih und streifte abwechselnd als Hirsch, Wildsau oder Wolf durch die Wälder. Aus verschiedenen Zauberpflanzen erschuf er die Frau des Sonnengottes, die Vegetationsgöttin. Unter diesen Pflanzen waren neben dem Mädesüß auch Eiche und gelber Ginster. Cernunnos und die Vegetationsgöttin gaben dann ihr Wissen an die Druiden weiter.

Der deutsche Name des Mädesüßs hat nichts mit Mädchen zu tun, sondern bezieht sich auf die Mahd, das Mähen, da die Pflanze dem Heu ein herrliches Aroma verleiht. Alternativ könnte der Name auch aus der Tradition herrühren, faden Wein oder Met mit den Blüten zu würzen (Metsüße). Auch Bier wurde in früheren Jahrhunderten mit Mädesüß versetzt.

Im Mittelalter diente das Mädesüß der Geschlechtsbestimmung von Dieben: Man warf die Stängel ins Wasser, und wenn sie oben schwammen, war der Dieb ein Mann, wenn sie untergingen, eine Frau.

In vielen Regionen zählt das Mädesüß auch zu den Unheil abwehrenden Pflanzen. Insbesondere Milchzauber sollte es verhindern. Man sammelte das Kraut in der Sonnenwend- oder der Johannisnacht und hängte es gebündelt und mit den Blüten nach unten in das Gebälk der Häuser und Ställe. In der Steiermark nannte man die Pflanze daher „Sunnawendfäden“.

Traditionell wurde sie über die Jahrhunderte als Streukraut verwendet, um den Raum zu aromatisieren und gleichzeitig mit ihrem Duft auch Dämonen, die stark riechende Pflanzen generell verabscheuen, fernzuhalten.

Das ätherische Öl soll anregend und wärmend wirken, helfen, die Vergangenheit aufzuarbeiten und negative Zeiten zu überstehen.

Neuheidnische Hexen verwenden das Mädesüß an Lammas (1. August). Dabei werden Kränze aus Mädesüß gebunden, die es den Frauen durch ihren narkotischen Geruch erleichtern, in Trance zu kommen und ihren Körper zu verlassen. Aber auch für Glücks- und Liebeszauber jeder Art verwenden sie es.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

3 + 2 =