Die Gärten der Hesperiden

Die Hesperiden in ihrem Garten, Frederic Leighton (1830–1886)

Die Gärten der Hesperiden waren im Altertum ein mythischer Ort oder eine mythische Insel oder eine Inselgruppe im äußersten Westen der bekannten Welt, gedacht als Wohnsitz der Hesperiden.

In der Naturalia historia von Plinius dem Älteren liegen die Hesperiden im Atlantik hinter den Kanarischen Inseln. Versuche, die Insel der Hesperiden mit heute bekannten Inseln zu identifizieren, werden häufig angestellt. Madeira, Kap Verde, Azoren? Sind sie gar verwandt mit den Glücklichen Inseln, auf denen laut Hesiod die Götter die Seelen von Helden und Begünstigten nach deren Tode aufnehmen? Wir werden es heute nicht mehr erfahren können.

Die Hesperiden selbst sind Nymphen (die hellsingenden Töchter) der griechischen Mythologie. Ihre Zahl schwankt je nach Quelle zwischen drei und sieben. Sie werden manchmal auch die „afrikanischen Schwestern“ genannt. Es gibt unterschiedliche Angaben, wer ihr Vater ist: Mal wird Erebos als dieser bezeichnet, mal Atlas, manchmal auch Hesperos, der Abendstern. Auch bei der Mutter sind die Quellen sich nicht einig: War es Nys (Göttin der Nacht), Hesperis (der weibliche Abendstern) oder die römische Venus?

Alle diese Stammbäume deuten aber auf den Standort des Gartens der Hesperiden jeweils an dem von Griechenland aus gesehen fernsten Westen hin.

Atlas und die Hesperiden, John Singer Sargent, 1925

Die Hesperiden hüteten in einem wunderschönen Garten einen ebenso schönen Baum mit goldenen Äpfeln, den Gaia der Hera zu ihrer Hochzeit mit Zeus wachsen ließ. Seine Äpfel verliehen den Göttern ewige Jugend. Der Baum wurde jedoch durch den hundertköpfigen Drachen Ladon bewacht. Nur Herakles war in der Lage, die Äpfel zu rauben: In seiner elften Arbeit für Eurystheus sollte er die goldenen Äpfel der Hesperiden beschaffen. Als Herakles bei seiner Exkursion auf Atlas traf und ihm sein Problem erklärte, bot sich der Titan an, die Äpfel für Herakles zu pflücken, damit ihm der Kampf gegen den argwöhnischen Drachen erspart bliebe. Währenddessen sollte Herakles Atlas beim Tragen des Firmaments ablösen. Der Held bedankte sich und lud die Himmelssphäre auf seine Schultern, während Atlas die goldenen Äpfel besorgte. Berauscht von seiner neuen Freiheit wollte der Titan diese nun selbst dem Eurystheus bringen. Auch damit war Herakles zum Schein einverstanden, bat aber Atlas, die Last nochmals für kurze Zeit zu übernehmen, damit er seinen Umhang neu ordnen könne, um so ein Stoffpolster zwischen Schulter und Last zu schaffen. Atlas erfüllte ihm diesen Wunsch, Herakles dagegen machte sich mit der Beute auf und davon. Eurytheus, der Held die Äpfel übergab, schenkte sie weiter an Athene, die sie wieder zurück an ihren Platz legte.

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