Die höllische Kornrade (Agrostemma githago)

 

Volkstümliche Bezeichnungen Ackerkrone, Höllenkorn, Kornnelke, Kornrose
Blütezeit 6-8
Blütenfarbe Pink bis rotbraun
Inhaltsstoffe Saponine (Githagin und Githagenin), Agrostemmasäure
Heilwirkung, wissenschaftlich nachgewiesen Aufgrund der Giftigkeit heute keine Anwendung mehr empfohlen, jedoch Heilpflanze in früheren Jahrhunderten
Zauberpflanzenkategorie (d), (j), 2, 3
Essbar? Stark giftig

 

Die Kornrade war früher als Getreideunkraut gefürchtet: Wegen ihrer Größe und Form konnten die Samen nur schwer von den Getreidekörnern getrennt werden und vergifteten so das Mehl. Ihre Seifenstoffe (Saponine) führten zu Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Krämpfen und Tod durch zentrale Atemlähmung. Dafür reichten schon 3-5 Samen pro Mensch.

Gleichzeitig war die Kornrade wie andere pink oder rot blühende Pflanzen (Klatschmohn oder Tausendgüldenkraut zum Beispiel) ganz besonders gefährlich in der Hand von Hexen: Denn sie konnten mit der ihr Unwetter herbeizaubern!

Aus der Kornrade wurden früher Kränze geflochten, die – um den Baumstamm gewunden – verhindern sollten, dass das Obst unreif vom Baum fällt.

Nähert man sich hingegen rückwärts den Kornraden, erntet sie ebenfalls rückwärts, flicht einen Kranz aus ihnen und setzt diesen auf den Kopf, so soll man damit die bösen Absichten anderer Menschen erkennen können.

Wegen ihrer Giftigkeit wurde die Kornrade auch früher eher äußerlich angewandt. Im Kräuterbuch von Leonhart Fuchs (1543) heißt es im Kapitel XLIIII über ihre Kraft und Wirkung: „Radten gemalen mit schwebel / wein und essig angestrichen / heylet allerley rauden / grind / und boese faule geschwer. Radten meel mit Taubenkot unn Leinsamen in wein gesotten / und übergeschlagen / vertreibt und verzert die kroepff. Mit honigwasser gekocht unn übergelegt / ist es treffenlich gut zu dem hüfftwee. Mit honig und essig vermengt / unnd überlegt / lindert es allerley schmertzen / in sonderheyt aber ist es gut zu dem podagra. Gedachtes Radten meel / zeücht herauß die spreißlin von den gebrochnen beynen. Reyniget und heylt allerley alte schaeden. Mit Rettich / saltz und essig angestrichen / heylet es die geflecht. Mit gensschmaltz vermengt unnd an die stirn gestrichen / oder übergelegt / benimpt es das hauptwee. Diß kraut ist wunderbarlich im blut stellen / heylet auch wunden und fistel / darumb es die wundaerzt in hohen eeren halten sollen.“

 

Unmöglich sind diese Heilwirkungen nicht, da auch andere Saponine enthaltende Pflanzen schmerzstillend wirken, gegen Hautkrankheiten eingesetzt werden (Sarsaparille, Stiefmütterchen) oder bei Rheuma und Stoffwechselerkrankungen helfen (Birke, Goldrute, Stiefmütterchen). Zudem wirken viele Saponine antibakteriell, antiviral und antimykotisch und können somit eventuell die Entzündung von Wunden bei mangelnder Hygiene verhindern. Nachgewiesen ist nichts. Wo hört also die Magie (Taubenkot) auf und fängt die Volksheilkunde an?

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