Elfenheim: Die Rapunzel-Glockenblume (Campanula rapunculus)

 

Volkstümliche Bezeichnungen Donnerblume, Fürwitzlein, Rapunzel, Rübenrapunzel
Blütezeit 7-9
Blütenfarbe blau
Inhaltsstoffe Nicht ausreichend untersucht
Heilwirkung, wissenschaftlich nachgewiesen Nur volksmedizinisch. Tee aus den Blüten als Elfenmedizin zum Gurgeln bei Halsschmerzen. Wurzeln: milchbildend, Pflanzensaft wundheilend bei kleinen Verletzungen.
Zauberpflanzenkategorie (c), (d), 1, 3, 8, 11
Essbar? Ja. Blüten 7-9, Blätter 4-5, Früchte 4-9, Wurzel (dick, weiß, angenehm süßlich 9-3

 

Glockenblumen galten früher als Unglücksbringer: Da sie gewitteranziehend seien, solle man sie nicht pflücken und ins Haus bringen – sonst könne der Blitz einschlagen. Und außerdem würden dann die Hühner aufhören, Eier zu legen.

Wem es gelingt, die Blüte einer Glockenblume von innen nach außen umzustülpen, ohne sie zu beschädigen, wird mit der Person seines Herzens zusammengeführt. Andererseits: Trägt man eine Glockenblume bei sich, muss man in allen Dingen die Wahrheit sagen.

Die Blattrosetten der Glockenblume wurden wie der Feldsalat Rapunzel genannt. Es ist leider nicht sicher, welche der beiden Pflanzen im gleichnamigen Märchen der Brüder Grimm gemeint war. Tipp: Essen Sie beide!

Rapunzel-Glockenblumen werden noch im 16. Jahrhundert von Leonhart Fuchs zu den Weißen (Brassica rapa) und Roten Rüben (Rote Beete, Beta vulgaris) gerechnet und in einem Kapitel abgehandelt. Er schreibt in Cap. LXXVII:

Die Rüeben seind zweyerley geschlecht / zam unnd wild. Der zamen Rüeben seind auch zweyerley geschlecht / weiß unnd rot. Das wild geschlecht der Rüeben ist das so man Rapuntzeln nennet / das ist / kleine Rüeblin. (…) Die zamen Rüeben gesooten seind undewig / bläen / unnd bringen begird zur unkeüscheyt. (…) Rüebensamen ist guot wider allerley gifft / unnd würdt demnach nit unbillich zum Tiriack genomme. Er ist auch nützlich zuo linderung der schmerzen. Bringt lust zur unkeüscheyt. So man die roten Rüeben jnmacht / bringen sie lust unn begird zuo essen. Deßgleichen so die Rapuntzeln in der speiß gebraucht werden mit saltz und essig als ein salat zuobereyt / bringen auch sie lust zuo essen / treiben den harn. Aüsserlich gebraucht / fürnemlich wann sie mit Feigbonen / Weythen / oder Radtenmeel vermischt werden / seubern sie das angesicht / unnd den gantzen leib. Der safft zuor zeit der ernd gesamlet / mit frawen milch vermengt / macht lautere augen.

Im Volksglauben waren die Glockenblumen Unterschlupf für Elfen, andere Erdgeister und Feen. Trotz dieser eher neckischen Bewohner steht die Glockenblume in der Blumensprache (rote Rose = Liebe) für Beständigkeit, vielleicht wegen ihrer blauen Farbe.

Auch in Waldemar Bonsels 1915 erschienenen Buch „Himmelsvolk“ (Nachfolgeband von „Biene Maja“) wird zu dem Blumenelf in der Mitte der Zeichnung eine Glockenblume abgebildet.

Tipp! Feenspeise zum Dessert, aus 250g Sojaquark, 200ml geschlagener Sojasahne, 3 EL kleingeschnittener Pfefferminze, 1 EL Akazienhonig, 3 EL Zartbitter-Schokoraspeln – das ganze verziert mit einer Handvoll süßlich schmeckender Glockenblumen-Blüten: Zauberhaft!

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