Kategorien von Zauberpflanzen

Wie wird man eine Zauberpflanze und welche Kategorien von Zauberpflanzen gibt es?

Um eine Zauberpflanze zu werden, empfiehlt es sich, eine oder mehrere der folgenden Besonderheiten zu erlangen:

  1. ein sehr alter und knorriger Baum zu werden (die heiligen Buchen in Griechenland oder die Donar-Eiche der Germanen)

  2. immergrün zu sein oder zu einer ungewöhnlichen Zeit zu blühen oder Früchte zu tragen (Tanne, Schneerose/Nieswurz, Herbstzeitlose, Schneeglöckchen, Haselnuss)

  3. eine auffällige Blütenform zu haben (Löwenmäulchen, Frauenschuh, Leinkraut, Teufelskralle)

  4. rot, blau oder schwarz zu blühen (Mohn, Wegwarte, Schwarze Teufelskralle)

  5. ungewöhnliche Blätter zu haben (Glücksklee, Johanniskraut, Frauenmantel)

  6. Rhizome oder Wurzeln zu besitzen, die menschlichen Körperteilen, insbesondere Geschlechtsteilen, ähneln (Alraune, Knabenkraut)

  7. psychoaktive Inhaltsstoffe anzureichern (Tollkirsche, Bilsenkraut, Stechapfel)

  8. Milchsaft zu führen (Schöllkraut, Wolfsmilch, Löwenzahn)

  9. stark zu duften (Baldrian, Dost, Dill, Knoblauch, Bärlauch)

  10. sehr giftig zu sein (Nachtschattengewächse, Eisenhut, Eibe)

  11. an ungewöhnlicher Stelle zu wachsen (Mistel)

  12. sich ohne Samen zu vermehren (Farne, Moose) oder Samen ohne Befruchtung zu bilden (Frauenmantel, Orangerotes Habichtskraut). Dazu zählen auch die nicht zum Pflanzenreich gehörenden Pilze.

  13. ungewöhnliche Früchte zu haben (Hirtentäschelkraut)

Ein oder mehrere dieser Eigenschaften haben fast alle Pflanzen, die bei uns in Europa zu Zauberpflanzen geworden sind. Unsere Vorfahren haben sie in folgende Kategorien eingeteilt:

  1. Wetterpflanzen. Das sind Pflanzen, die z.B. auf Luftfeuchtigkeit reagieren und mit deren Hilfe deshalb das Wetter vorhergesagt werden konnte (z.B. Acker-Gauchheil)

  2. Hexen- und Teufelskräuter. Sie tragen in ihren volkstümlichen Bezeichnungen Namen wie Elfenhandschuh, Hexenblume oder Teufelsdarm. Dazu gehören auch Pflanzen, mit denen man im eigentlichen Sinne zaubern kann, wie z.B. das sog. Springkraut zum Öffnen von verschlossenen Türen oder das legendäre Moly der alten Griechen.

  3. Heilpflanzen. Das waren nicht unbedingt Heilpflanzen im heutigen Sinne, sondern Signatur- oder Sympathiepflanzen. So fand man zum Beispiel, dass das Gefleckte Lungenkraut der menschlichen Lunge ähnele – deshalb wurde es gegen Lungenkrankheiten eingesetzt.

  4. Pflanzen, die als Amulette und Talismane getragen wurden und z.B. vor dem bösen Blick oder der Pest schützen sollten.

  5. Beruf- und Beschreikräuter zum Schutz vor Hexen (Berufkraut, Leinkraut, Sumpf-Schafgarbe, Aufrechter Ziest, Rainfarn)

  6. Orakelpflanzen zum Wahrsagen (Sie kennen bestimmt das Kinderspiel „Er liebt mich – Er liebt mich nicht“)

  7. Räucherpflanzen (Weihrauch)

  8. Aphrodisiaka, das sind Pflanzen die Liebeslust befördern sollen, wie z.B. Spargel

  9. Weihkräuter (Kräuter, die an Mariä Himmelfahrt (15.8.) in der Kirche geweiht wurden, wie z.B. Alant, Johanniskraut, Wermut, Beifuß, Rainfarn, Schafgarbe, Kamille, Thymian, Baldrian oder Eisenkraut), Marienpflanzen bzw. Pflanzen, die einer bestimmten Gottheit geweiht sind

  10. Halluzinogene, die in Hexensalben oder anderweitig rituell genutzt wurden, wie z.B. Hanf, Bilsenkraut und Fliegenpilz

  11. Pflanzen, die eigentlich ein verzauberter Mensch sind (Wegwarte) – oder aber als Wohnort von Naturgeistern gelten (Glockenblume)

1 Kommentar zu “Kategorien von Zauberpflanzen

  1. Mir war es gar nicht (mehr) bewußt, wie viele Eigenschaften Zauberpflanzen haben können. Vieles kannte ich noch aus meiner Kindheit, wie die Orakelpflanzen, aber einige Informationen waren neu für mich. Sehr interessant!

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