Macht fröhlich: Der Borretsch (Borago officinalis)

Volkstümliche Bezeichnungen Augenzier, Blauhimmelstern, Gurkenkraut, Herzfreude, Liebäuglein, Wohlgemutsblume
Blütezeit 5-9
Blütenfarbe Anfangs rosa, später blau, in Kultur vereinzelt auch weiß
Inhaltsstoffe Lebertoxische Pyrrolizidinalkaloide, Schleimstoffe, Gerbstoffe, Harz, Saponine, Kaliumnitrat, Kieselsäure, Vitamin C
Heilwirkung, wissenschaftlich nachgewiesen Aufgrund der Alkaloide hat der Borretsch eine wissenschaftliche Negativbewertung erhalten und wird nur volksheilkundlich angewandt.
Zauberpflanzenkategorie (c), (d), 3, 4, 7, 8
Essbar? Ja, jedoch nicht in allzu großen Mengen: Blüten und Blätter 6-9 („Gurkenkraut“), Samen im Herbst.

 

Für die Bezeichnung Borretsch gibt es verschiedene Herkunftsdeutungen. So soll der Name aus dem Arabischen „abu r-rach“ (Vater der Schweißes) abgeleitet sein und sich auf die volksmedizinisch genutzte Eigenschaft beziehen, Schweißausbrüche hervorzurufen. Gelegentlich wird Borretsch auch auf das keltische Wort „borrach“ (Mut) zurückgeführt.

Für die Farbänderung der Pflanze ist eine Änderung des pH-Wertes in der Blüte verantwortlich. Kleine Küchenzauberei: Benutzt man blaue Borretschblüten als Salatdekoration, gibt es aufgrund des Essigs einen weiteren Farbumschlag: Sie werden rot!

Borretsch symbolisierte Fröhlichkeit und Lauterkeit im Denken. Plinius schrieb: „ich, Borretsch, bringe immer Freude“. Borretsch hatte den Ruf, die Lebensgeister zu wecken. So hieß es bei John Gerard in „The Herball, or Generall Historie of Plantes“ (1597):

Heute tun die Menschen die Blüten in den Salat, um sich fröhlich zu stimmen und die Laune zu verbessern. Vieles kann man aus der Pflanze machen, was das Herz erleichtert, die Sorgen vertreibt und den Geist erhebt. Die Blätter des Borretschs, im Wein zu sich genommen, machen Männer und Frauen froh und glücklich, vertreiben Trauer, Langeweile und Melancholie, das haben bereits Dioskurides und Plinius bestätigt. Sirup aus Borretschblüten ist gut für das Herz, lässt die Melancholie vergehen und beruhigt die Verrückten.“

Diese positiven Eigenschaften sind aus pharmakologischer Sicht nicht nachvollziehbar, sie gehören ins Reich der Placebo-Magie, ebenso wie folgende Anwendung: Ein Borretschstrauß im Schlafzimmer soll angenehme Träume bringen; auch geräuchert wurde er, um gute Laune zu verbreiten. Wo die Freude herrscht, da ist auch die „Leichtsinnigkeit“ nicht weit, und so wurde der Borretsch ebenfalls als Aphrodisiakum eingesetzt.

Unter dem Namen „Manus Christi“ galten Zucker-Verreibungen der Pflanze als Mittel gegen stärkste Schwächezustände bei Krankheiten des Herzens und gegen „Unsinnigkeit durch die Dämpfe der Melancholie“. Adel und aufstrebendes Bürgertum der frühen Neuzeit veredelten diese „Christus-Hände“ durch die Zugabe von zerstampften Perlen und von fein verriebenem Gold. Zusammen mit Duftveilchenblüten zählten Ochsenzungen- und Borretsch-Blüten zu den „drei flores cardinales bzw. cordiales“. Zeitgenössische Fallbeschreibungen des Pseudo-Arnaldus de Villanova und des Straßburger Wundarztes Hieronymus Brunschwig legen nahe, dass Zubereitungen aus Borretsch und Ochsenzungen auch zur Behandlung von Kranken eingesetzt wurden, die so „von Sinnen kamen, dass man sie binden musste.“

Im Neuheidentum gilt Borretsch als Mutbringer: Ein Tee aus ihm soll die psychischen Kräfte stärken und trübe Gedanken vertreiben, auch ein Amulett soll neuen Mut geben. Und ein Borretsch-Talisman soll vor negativen Energien schützen.

Der Begründer der Anthroposophie, Rudolf Steiner, empfahl sieben Pflanzen, um das Wachstum im biodynamischen Garten anzuregen: Borretsch, Kamille, Brennnessel, Schafgarbe, Ringelblume, Beinwell und Löwenzahn waren seine magische Riege, um müden Kulturpflanzen auf die Beine zu helfen.

Auch im Klostergarten St. Maria & Elisabeth in Rehna, zwischen Lübeck und Schwerin, kann man den Borretsch bewundern: Hier steht er zusammen mit Minze und Johanniskraut im Anti-Stressbeet.

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