Tor zur Unterwelt: Der Efeu (Hedera helix)


© Barbara Pfeifer 2017

 

Volkstümliche Bezeichnungen Epheu, Eppich, Schreckblätter, Totenranke
Blütezeit 9-11
Blütenfarbe grünlichgelb
Inhaltsstoffe Triterpen-Saponine (Seifenstoffe), Alkaloide
Heilwirkung, wissenschaftlich nachgewiesen Ja: Bei Katarrhen der Luftwege und zur symptomatischen Behandlung chronisch-entzündlicher Bronchialerkrankungen – Auswurf fördernd, krampflösend, antimikrobiell, fungizid, haut- und schleimhautreizend. Volksheilkundlich aus diesem Grunde auch gegen Hühneraugen und Warzen.
Zauberpflanzenkategorie (a), (b), (j), 3, 4, 6
Essbar? Tödlich giftig. Auch medizinisch nur Fertigprodukte verwenden! (z.B. Prospan)

 

Die ungewöhnliche Blütezeit dieses immergrünen Araliengewächses und der reichliche Nektar locken viele Blütenbesucher, besonders Fliegen und Wespen an. Bienen sammeln in den Blüten auch Pollen. Im Frühjahr liefert der Efeu den Vögeln die ersten frischen, reifen Früchte des Jahres. Als Standorte bevorzugt er Wälder, Auengehölze, Steinbrüche und Ruinen.

Einige Exemplare stehen unter Naturschutz, so ein Efeu, der im tschechischen Loket eine Felswand 15 Meter hoch emporwächst. Loket ist das hochromantische Städtchen, in dem der 74jährige Goethe der 19jährigen Ulrike von Levetzow einen Heiratsantrag machte – und zum ersten Mal in seinem Leben einen Korb bekam.

Der Efeu ist eine alte, heilige Pflanze in allen frühen Kulturen, die bis zu 450 Jahren alt werden kann. Sie symbolisiert das Streben nach Licht und ist zugleich Tor zur Unterwelt.

Im klassischen Altertum war der Efeu den Göttern des Weines geweiht. Sowohl der altägyptische Osiris als auch Dionysos und Bacchus bekränzten sich mit Wein- und Efeuranken.

Bei festlichen Gelagen trugen die Griechen Efeukränze, teils um bacchische Begeisterung zu wecken, teils, weil der Efeu das Gehirn kühlen sollte. Auch die Trinkbecher auf diesen Festen wurden mit Efeu umwunden. Hier war die Pflanze Symbol der Heiterkeit, der Geselligkeit und Freundschaft.

Dionysos-Verehrer glaubten, reiches Efeuvorkommen an einem Ort sei ein sichereres Anzeigen für die Anwesenheit des Gottes. Dichter bekränzte man mit Efeu, weil er gleichfalls eine heilige Pflanze des Apolls und der Musen war.

Da der Efeu eine Rankhilfe benötigt, ist er seit alters her auch Sinnbild für Freundschaft, Treue und des ewigen Lebens. Im alten Griechenland erhielt ein Brautpaar einen Efeuzweig als Sinnbild ewiger Treue.

Die ersten Christen legten gläubige Verstorbene auf Efeu, Nichtbekehrte auf Zypressen. Der Efeu galt als unsterblich, die Zypresse hingegen kann, einmal gefällt, nie mehr nachwachsen: Symbol also der unmöglichen Wiederauferstehung der Nichtchristen. Auf frühchristlichen Sarkophagen und Katakomben-Fresken ist häufig Efeu zu sehen. Er zeigt an, dass die Seele lebt, auch wenn der Körper tot ist. Aus diesem Grunde wird Efeu auch heute noch auf Friedhöfen angepflanzt.

Bei den Kelten symbolisierte Efeu die 5 Aspekte der Göttin (Geburt, Initiation, Liebe, Schlaf, Tod) sowie den Geist und das Leben der Vegetation im Jahresrad. Beim Julfest (21. auf 22.12.) sangen mit Efeu bekränzte Mädchen (Ivy-Girls) und mit Ilex bekränzte Jungen (Holly-Boys) gegeneinander Spottlieder, um den ewigen Kampf zwischen Mann und Frau darzustellen.

In Westfalen brachten am dritten Fastensonntag Mädchen den Nachbarn Efeukränze, die über dem Herd aufgehängt wurden, um so den Frühling ins Haus zu bringen.

Als Orakelpflanze soll Efeu am 24. Februar (Matthiastag) verwendet worden sein: Nachts tanzten die Mädchen bei Fackelschein und warfen Efeu- und Strohkränze ins Wasser. Rücklings mussten sie dann versuchen, einen Kranz zu angeln. Der Efeukranz bedeutete Glück in der Liebe und versprach Hochzeit noch im selben Jahr. Der Strohkranz hingegen zeigte Unglück an.

Auch in der Andreasnacht (vom 29. auf den 30. November) wurde mit Efeu orakelt. Man warf zwei Blätter in eine Schale mit Wasser, so dass sie auf der Oberfläche schwammen. Waren die Blätter am nächsten Morgen zusammengetrieben, dann sollte es binnen eines Jahres Hochzeit geben. Trieben sie getrennt voneinander, so musste man noch länger warten.

In Mecklenburg-Vorpommern wurde zur Fastnachtszeit bei Heischegängen durch das Dorf symbolisch der Winter ausgetrieben und der Frühling in Gestalt eines jungen, mit Kräutern und Efeukranz geschmückten Mädchens begrüßt. Auch die Fruchtbarkeit symbolisierenden Ostereier färbte man 40 Tage später mit Efeu grün.

Wünschelrutengänger sind der Ansicht, dass Efeu dort besonders stark wächst, wo eine Wasserader im Untergrund verläuft. Manchmal soll er sich um Bäume schlingen, die auf stark strahlenden Standorten stehen, mit dem Erfolg, dass diese sich nicht verdrehen oder kränkeln. Er soll also die Strahlung neutralisieren.

Ein von Efeu umranktes Haus soll einen magischen Schutz vor negativen Energien bieten.

Die Chinesen ordnen im Feng Shui den Efeu dem Element Holz zu. Er soll den Menschen helfen, ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen.

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