Venuswagen: Gewöhnliche Akelei (Aquilegia vulgaris) und Schwarzviolette Akelei (A. atrata)

 

 

Volkstümliche Bezeichnungen Elfenhandschuh, Elfenschuh, Gotteshut, Handschuh unserer lieben Frau, Narrenkappen, Schlotterhose, Taubenblume, Teufelsglocke
Blütezeit 5-7
Blütenfarbe Blau-violett bzw. schwarz-violett
Inhaltsstoffe Alkaloide, Blausäure abspaltendes Glykosid (nur Spuren, insbesondere in den Samen)
Heilwirkung, wissenschaftlich nachgewiesen Nur in der Homöopathie. Die Inhaltstoffe können schon bei Berührung Brennen, Rötung und Blasen hervorrufen.
Zauberpflanzenkategorie (c), (d), 2-4, 8
Essbar? Leicht giftig

 

Auf mittelalterlichen Gemälden symbolisiert die Akelei wegen ihrer dreizähligen Blätter ebenso wie die Engelwurz (Angelica) die Heilige Dreifaltigkeit, zumal ihre Blütenblätter in etwa die Form einer Taube haben. Gleichzeitig steht sie im Christentum für Demut, Anbetung und die Sorgen der Jungfrau Maria bzw. für Treue, Hoffnung und Mildtätigkeit. Die Mystiker stellten dieses Hahnenfußgewächs als Madonnenblume neben Lilien und Rosen. Möglich ist auch, dass die Dreiblatt-Form der gotischen Kirchenfenster auf die Blüte der Akelei zurückgeht (hierfür wäre aber auch der dreiblättrige Klee denkbar).

Bei Hildegard von Bingen heißt die Pflanze noch Agleya und wurde wegen ihrer Namensähnlichkeit auf die kabbalistische Signatur AGLA bezogen. AGLA brachte man häufig auf Amuletten und Ringen an als Abkürzung des Psalms 88, 53: „Der Herr sei gepriesen in Ewigkeit, Amen.“

Der Pflanze wurden liebesfördernde Wirkungen zugeschrieben (Venuswagen / Schlotterhose), vor allem ihren Samen und der Wurzel. Ein aus der Akelei bereiteter Trank sollte zudem gegen „Nestelknüpfen“ wirksam sein. „So einem Mann seine Krafft genommen / und durch Zauberey oder andere Hexenkunst zu den ehelichen Wercken unvermöglich worden were / der trinck stätig von dieser Wurtzel und dem Samen / er genieset / und kompt wieder zurecht“ (Tabernaemontanus 1613). Auch Matthioli empfiehlt das Mittel dem Bräutigam, der durch Zauberei zu den ehelichen Werken ungeschickt geworden ist. Zu diesem Zweck sollte das membrum virile mit dem Absud der Akelei gewaschen werden. Vielleicht wirkte die Akelei wegen ihrer auffälligen Blütenform (vgl. Löwenmäulchen) zauberwidrig?

Von Frauen als Schutzamulett um den Hals getragen, sollte die Wurzel hingegen anaphrodisisch sein und gegen aufdringliche Männer helfen.

Auch in Hexensalben befand sich manches Mal Akeleisamen. Die Meskaki-Indianer Nordamerikas brauten ihren Liebestrank mit Akelei, und in England glaubte man, dass der Löwe seine Besondere Potenz aus ihr bezöge. Man nannte sie dort Herba leonis, während sie bei den Italienern amor nascosto (versteckte Liebe) hieß.

In diesem Sinne platziert Leonardo da Vinci sie auf einem Bild neben dem Gott Bacchus, und sein Schüler Francesco Melzi lässt seine halbentblößte Flora (La Colombine / Die Taube, 1520, siehe Bild) eine Akeleiblüte in der Hand halten. Einer jungen Frau einen Akeleistrauß zu schenken, galt folglich bis ins 17. Jahrhundert als unschicklich.

In einem Fruchtbarkeitsritual legten hingegen verheiratete Frauen, die sich ein Kind wünschten, Akelei in ihr Bettstroh.

Aber auch Elfen liebten die Akelei: Für Beschwörungen und Zaubereien im Wald und in der freien Natur sollte deshalb eine Akeleiblüte offen dabei liegen, so versicherte man sich der Hilfe der Elfen.

In der Vorstellung der Kelten öffnete die Akelei das Tor zur Anderswelt.

Im hessischen Lahn-Dill-Kreis waren die getrockneten, pulverisierten Blätter einer der wesentlichen Bestandteile einer Arznei gegen Krebs – sie wirkte allerdings nur, wenn man die Akelei schweigend gesammelt hatte.

Ob das populäre Bild „Akelei“ (s.o.) von Albrecht Dürer stammt oder nicht doch von einem seiner Vorläufer, gilt übrigens mittlerweile als ungewiss.

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